Hellp Syndrom

Dieser Artikel ist in der Zeitschrift "Zwillinge", Ausgabe 4/2000 erschienen.

Anfang Februar 99 haben mein Mann und ich die freudige Botschaft erfahren, daß wir Drillinge erwarten. Unsere Schwangerschaft war in den ersten 6 Monaten ganz problemlos und schön.

Ich wollte die Drillinge unbedingt bis mindestens zur 34. SSW austragen. Im 7. Monat bekam ich Wassereinlagerungen in den Beinen. Ansonsten ging es mir aber gut, ich konnte immer gut schlafen, und der Bauch hat mich nicht gestört. In der 30. SSW ging es mir schon nicht mehr gut, ich konnte wegen der Ödeme kaum noch laufen und hatte stechende Schmerzen im Oberbauch, die wie leider erst später gelesen habe, auf das HELLP-Syndrom hinweisen. Auch konnte ich nicht mehr auf der linken Seite liegen, was ich für Rückenschmerzen gehalten habe, was aber wahrscheinlich Organschmerzen waren. Der Kopf meines jüngsten Sohnes lag seitlich unter der rechten Brust und war deutlich zu fühlen so daß ich oft sagte, "der will schon aus dem Bauch purzeln". Die Krankenhausärzte haben später dazu gesagt, daß seien Leberkoliken gewesen.

Ich will damit sagen, daß unserer Ansicht nach die behandelnde Frauenärztin, doch nicht so fit war in der Betreuung unserer Mehrlingsschwangerschaft, wie sie uns glauben machte. Sie hat mich behandelt wie eine "normale" Schwangere und das war der Situation zum Schluß nicht mehr angemessen. Leider habe ich den Fehler gemacht, mich nicht rechtzeitig selber ins Krankenhaus zu legen. Ich möchte daher allen Mehrlings-Schwangeren raten, sich bei vermehrten Beschwerden frühzeitig zu erfahrenen Ärzten ins Krankenhaus zu begeben, die mehrmals im Jahr Mehrlingskinder auf die Welt holen.

Am 29. Juli (Ende 30. SSW) war ich zuletzt zur Untersuchung bei meiner Frauenärztin, habe das erstemal am Wehenschreiber gehangen, hatte auch Wehen, außerdem Eiweiß im Urin, aber gem. der behandelnden Ärztin war das alles nicht so schlimm. Mir ging es nicht mehr gut, und ich hatte Bauchschmerzen. Als wir später am Brutkasten meines jüngsten Sohnes gesessen haben, der ein Atemnotsyndrom IV. gehabt hat, haben wir oft geflucht, daß an dem 29. Juli keine Blutuntersuchung mehr gemacht wurde. Vielleicht hätten sich die schlechten Nieren- und Leberwerte doch schon abgezeichnet und die Kinder hätten noch die Lungenreifungsspritze bekommen können, und er hätte es dann nicht so schwer gehabt. Abgesehen davon hätten wir ja auch alle verbluten können bei der OP.

Am 31. Juli haben wir hin und her überlegt, ob wir ins Krankenhaus fahren und dann leider beschlossen, noch einen Tag abzuwarten. Am 1. August ging es mir aber wieder besser und nachts ist dann die Fruchtblase geplatzt. Wir sind am 2. August gegen 4.00 Uhr morgens mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gefahren.



Dort wurde das HELLP-Syndrom schnell diagnostiziert, zur Lungenreifungs spritze war keine Zeit mehr, und ab ging`s in den OP. Um 8.00 Uhr waren unsere 3 Babies Sohn 1 (1270 g, siehe Bild: 7 Tage alt), Tochter (1460 g) und Sohn 2 (1760 g) geboren. Um 11.00 Uhr lag ich wieder im OP, da ich aufgrund der Blutgerinnungsprobleme wieder stark blutete. 4 Tage später habe ich die Kinder zum erstenmal gesehen. Am darauffolgenden Tag hatte ich noch eine Darmoperation, weil der Darm sich im Oberbauch ein Plätzchen gesucht hatte, wo er nicht zu suchen hatte. Die Großeltern hatten zeitweise Angst, daß der Papa unsere Drillinge allein großziehen muß. Mir waren die 3 OP`s relativ egal, Hauptsache den Kindern ging es gut und sie mußten nicht mehr operiert werden.

Sohn 2 hat fünf, Tochter sechs und Sohn 1 sieben Wochen auf der Intensivstation gelegen. Wir sind sehr glücklich, daß alle Kinder gesund und munter sind und sich prächtig entwickeln. Alle drei sind zufriedene Kinder, die nie viel geschrieen haben. Sie machen uns viel Freude, fangen jetzt an zu erzählen, halten Spielzeug mit beiden Händen fest und drehen sich vom Bauch auf den Rücken. In einem der nächsten Hefte werde ich mehr von ihnen berichten.

In unserer Stadt hat sich eine Mehrlingsinitiative von Zwillings- und Drillingseltern gegründet. Wir Mütter treffen uns einmal im Monat in der Kneipe zum Gedankenaustausch. Uns hat der Austausch mit anderen Zwilli- und Drillimüttern in der Schwangerschaft sehr geholfen, und unserer Ansicht nach ist es wichtig, daß werdende Mehrlingseltern auch von anderen Seiten als den betreuenden Ärzten Informationen erhalten und vielleicht schon in der Schwangerschaft die eine oder andere Mehrlingsfamilie kennenlernen.

Ich möchte allen Mehrlingsschwangeren empfehlen, sich bei der "Arbeitsgemeinschaft Gestose-Frauen e.V." Kapellener Str. 67a, 47661 Issum, Tel.02835-2628, Fax. 02835-2945, zu informieren. Interessant ist auch diese homepage. Für DM 38,70 kann dort Infomaterial (u.a. Ernährungsplan, Literaturliste) bestellt werden. In der homepage ist Folgendes zu lesen:

"Die Arbeitsgemeinschaft Gestose-Frauen e.V. wurde im November 1984 von betroffenen Frauen gegründet und hat derzeit ca. 470 Mitglieder. Darunter befinden sich auch Hebammen, Ärzte und Organisationen, die sich mit Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit befassen.

Von der EPH-Gestose (früher auch Prä-Eklampsie/ pre-eclampsia oder Schwangerschaftsvergiftung" genannt) sind ungefähr fünf bis zehn Prozent aller Schwangerschaften betroffen. Es gibt aber viele Hinweise darauf, daß die klassische Gestose mit den Symptomen Wassereinlagerungen in den Beinen und Händen (Ödeme), erhöhtem Blutdruck und Eiweiß im Urin durch akuten Nährstoffmangel entsteht. Es gibt noch andere Erscheinungsformen, bei denen z.B. die Ödeme fehlen können, das Baby aber nicht ausreichend versorgt wird (Plazentainsuffizienz). Diese Form entsteht meist durch Nährstoffmangel zu einem frühen Zeitpunkt in der Schwangerschaft, manchmal sogar schon vor der Empfängnis. Man weiß seit kurzer Zeit, daß auch immunologische Ursachen bei manchen Frauen zu dieser Erkrankung führen können.

Die EPH-Gestose ist bis zu 50 % verantwortlich für Frühgeburten. Deswegen ist es unser größtes Ziel, eine zu frühe Entbindung so weit wie möglich zu verhindern.

Eine besondere Variante ist das sog. HELLP-Syndrom, bei dem die Leberfunktion nachläßt und so zu Gerinnungsstörungen führen kann. Es macht sich sehr häufig durch massive Oberbauchbeschwerden bemerkbar.

Unsere Erfahrungen haben gezeigt, daß eine gute, ausgewogene Ernährung mit eiweißreicher, kalorienreicher und keineswegs salzarmer Kost einen positiven Einfluß auf den Verlauf der Schwangerschaft hat und das Auftreten einer Gestose in vielen Fällen zu verhindern oder zu lindern hilft. Selbst bei schon bestehenden Beschwerden, vor allem Ödemen, können diese erheblich gemindert werden.Die bisher übliche Behandlung mit Reis-/Obsttagen, salzarmer und flüssigkeitsreduzierter Kost sollte von jeder werdenden Mutter strikt abgelehnt werden, da sie nicht hilft und die Erkrankung sogar noch verschlimmern kann. Entwässerungsmittel dürfen schon seit 1986 nicht mehr eingesetzt werden, auch pflanzliche Entwässerungsmittel, wie zum Beispiel Brennesseltee usw., sollten nicht statt dessen benutzt werden!

Vom HELLP-Syndrom spricht man, wenn sich die Blutgerinnungswerte drastisch verschlechtern und bestimmte Leberwerte stark ansteigen. Das häufigste Anzeichen hierfür sind unerträgliche Schmerzen im Oberbauch, die auch bis in den Rücken ausstrahlen können. In Amerika hat man gute Erfahrungen damit gemacht, bei ersten Beschwerden die Eiweißzufuhr über die Nahrung erheblich zu erhöhen, um so die Leberfunktion zu unterstützen. Aber dazu gehört auch eine angemessene Menge an Vit. B6, damit das Eiweiß richtig verwertet werden kann."

Gem. Korrespondenz mit Frau Sabine Kuse von der Arbeitsgemeinschaft Gestose-Frauen v. 20.01.00 empfiehlt sie speziell für Mehrlingsschwangere noch Folgendes:

"Für Frauen, die Mehrlinge erwarten, ist das Risiko, an Prä-Eklampsie/Gestose und oder HELLP-Syndrom zu erkranken, erhöht. Das liegt an dem Mehrbedarf an Nährstoffen, der leider oft bei den Vorsorgeuntersuchungen nicht von den Frauenärzten angesprochen wird. Es ist eine noch größere Blutmenge notwendig als bei Einlingsschwangerschaften und dafür sind auch mehr Nährstoffe nötig, damit diese Blutmenge gebildet werden kann. Aber auch für die Babys selbst sind diese Nährstoffe nötig, denn sie sollen ja daraus wachsen.

Grob gesehen kann man pro Kind einen Bedarf von ca. 30 g Eiweiß und ca. 300 kcal. täglich annehmen. Die damit verbundene Gewichtszunahme ist sicher ein Hürde, die "im Kopf" genommen werden muss, hat aber nichts mit einer krankhaften Gewichtszunahme zu tun. Auch der Salzbedarf wird entsprechend höher liegen, damit die Flüssigkeit jederzeit im Blutgefäß festgehalten werden kann. So wird die gute Versorgung der Kinder möglichst lange gewährleistet. Wer weiteren Rat braucht, sollte sich direkt bei unserer Arbeitsgemeinschaft melden."

Name der Redaktion bekannt.